Interview Marcel Pfeiffer: Digital Change –Digital Success

Frage: Die Zimmer Group hat schon früh auf das Thema Digitalisierung gesetzt, welche Gründe gab es hierfür?

Marcel Pfeiffer: Die Zimmer Group hatte schon von ca. einer Dekade den Umbruch in der Automatisierung und im Maschinenbau vorausgesehen und dabei das enorme Potential der Digitalisierung erkannt. Seit 2013 ist jedes unserer mechatronischen Produkte mit einer hauseigenen Steuerung, integrierten Sensorik ausgestattet und Industrie 4.0-ready. Seit 2018 bietet die Zimmer Group „Digital Services“ an, und baut seitdem deren Funktionalitäten und die Anzahl der unterstützten Produkte immer weiter aus.

Frage: Digitalisierung betrifft weltweit alle Branchen und Technologiebereiche, worin begründet sich das Selbstverständnis und der Fokus der Zimmer Group?

Marcel Pfeiffer: Die Zimmer Group ist als Partner des Maschinen- und Anlagenbaus nah am Puls des Marktes. Hierfür sehen wir das Thema „Digital Services“ aber nicht nur als zusätzliche Dienstleistung für den Kunden, sondern auch ganz bewusst als digitale und technologische Weiterentwicklung unserer Produkte und des Unternehmens, um den zunehmenden Anforderungen des Weltmarktes gerecht zu werden. Die Strategie der digitalen Transformation setzen wir auf allen Ebenen, in allen Funktionen und an allen Standorten um. Unser Ziel ist es, den digitalen Anteil an unseren Angeboten signifikant zu erhöhen. Die Zimmer Group versteht sich dabei als Nukleus für digitale Innovation und neue, digitale Geschäftsmodelle. Wir gestalten und forcieren die Transformation und sind Partner für alle Themen rund um die Digitalisierung im Markt.

Frage: Welche Erfolgsfaktoren sehen Sie in der Thematik der Digitalisierung?

Marcel Pfeiffer: Lösungsansätze für den Maschinen- und Anlagenbau sind differenziert zu betrachten. Zunächst ist zu klären, welche Motivation und Zielsetzung ein Digitalisierungsprojekt hat. Die Validierung der Ausgangssituation ist die zweite Grundlage, denn häufig sind Unternehmen schon sehr viel weiter in diesem Thema, als diese es selbst einschätzen. Unternehmen, die mit einer sehr durchgängigen Produktionsstruktur mit Standardmaschinen ausgerüstet sind, werden mit Sicherheit eine andere Zielfokussierung haben, als beispielsweise ein Betreiber von Sondermaschinen, ein lebensmittelverarbeitender Betrieb oder ein Automotive-OEM. Auch das Thema Akzeptanz und Schulung spielen - nach unserer Erfahrung - eine große Rolle, das Thema Digitalisierung voranzutreiben. Sobald Unternehmen erkannt haben, welche Möglichkeiten und Chancen die Digitalisierung bieten, nimmt das Thema eine Eigendynamik an. Erfolgsfaktoren sind mit Sicherheit die Prozessstruktur, sowie die technische- und IT-Infrastruktur. Nicht zuletzt ist auch die strategische Wachstumsplanung eines Unternehmens ein wichtiger Einflussfaktor im Ansatz und die stufenweise Skalierung von digitalen Lösungen.

Frage: Warum bietet die Zimmer Group als klassischer Komponentenhersteller Softwarefunktionalitäten an? Ist das wirklich sinnvoll?

Marcel Pfeiffer: Diese Frage ist berechtigt und ja der Ansatz, als Hersteller von Komponenten, Systemen und Anlagen, „Digital Services“ anzubieten ist nicht nur sinnvoll, sondern auch absolut logisch. Schon alleine aus der Tatsache heraus, dass es in der Automatisierung um die Produktion, Montage und Bewegung von physischen Gütern geht. Das heißt von jedem Datensatz besteht eine Beziehung zu einem Werkstück, Werkzeug, einem Anlagenbereich oder einem Lagerplatz. Eine andere Betrachtungsperspektive gäbe es vor dem Hintergrund der Analytics/ Statistics und einer Kumulierung/ Durchschnittswertbildung von Ereignissen und die Interpretation dieser Daten. Die Erfahrung zeigt, dass „Digital Services“ signifikant dazu beitragen, die Fehlerquote zu senken, Verfügbarkeit, Produktivität und Qualität zu steigern und somit die vollen Möglichkeiten von verfügbarer Hardware zu nutzen – egal auf welchem Level. Wer aber kennt die Eigenschaften und Fähigkeiten einer Komponente besser, als der Hersteller der diese entwickelt hat, weltweit zehntausende Einheiten über eine lange Einsatzdauer in den verschiedensten Branchen betreut und den Service und Verfügbarkeit sicherstellt? „Digital Services“ sind nicht nur ein exzellentes Instrument die existente Infrastruktur aufzuwerten, sondern auch den zukünftigen Herausforderungen des Weltmarktes souverän zu begegnen und mit neuen Geschäftsmodellen die eigene Position zu stärken und auszubauen.

Frage:In welchen Bereichen sehen Sie die größten Benefits der Digitalisierung

Marcel Pfeiffer: Die größten Benefits der Digitalisierung sind aus meiner Sicht neben den bekannten Faktoren wie Qualität, Zeit, Produktivität, Effizienz und Wertschöpfung auch die Fähigkeit, komplexere Prozesse beherrschbar zu machen sowie die Transparenz in der Steuerung und Nachhaltung. Ich will damit sagen, dass die Digitalisierung Unternehmen sowohl auf der operativen als auch auf der strategischen Ebene voranbringt.

Frage:Wie positioniert sich die Zimmer Group im Zeitalter der Digitalisierung?

Marcel Pfeiffer: Wie bei jedem Business steht auch im Zeitalter der Digitalisierung die Frage des Mehrwerts im Vordergrund. Der große Vorteil der Zimmer Group ist, als weltweiter Anbieter von Komponenten, Systemen und Bearbeitungszellen, das weitreichende Know-How für industrielle Produktionsprozesse und für die Bedürfnisse von Produktionsbetrieben. Denn auch in der Digitalisierung ist die Hardware und eine tiefes Verständnis für deren Verhalten die Basis für neue datenbasierte Lösungen. Wir legen größten Wert darauf, dass unsere Anwendungen für das Industrial Internet of Things (IIoT) die konkreten Anforderungen der Kunden treffen, das jeweilige Produkt über den gesamten Life-Cycle begleitet und die Implementierung in das vorhandene oder projektierte Applikationsumfeld schnell und einfach vollzogen werden kann. All dies ist Grundlage für wirtschaftlich erfolgreiche digitale Lösungen.

Frage: IIoT-Anwendungen können enorme Investitionen erfordern. Kann und sollte sich das jede Firma leisten?

Marcel Pfeiffer: IIoT-Anwendungen können teuer sein, müssen es aber nicht! Uns ist die Kooperation mit unseren Kunden sehr wichtig und wir sehen das Thema Digitalisierung als Chance sich gemeinsam weiterzuentwickeln und einen gemeinsamen Markterfolg zu erreichen. Deshalb sind die „Digital Services“ der Zimmer Group skalierbar. Unternehmen, die in das Thema einsteigen, können weltweit von unseren CAD-Downloads z.B. für Kollisionsbetrachtungen, Space Allocations etc., jederzeit und kostenfrei profitieren. Ein nächster Schritt wäre beispielsweise die Betrachtung eines Produkts als digitaler Zwilling in niedriger Ausbaustufe. Aber auch das Thema Condition Monitoring ist ein schneller, kostengünstiger Einstieg in die Digitalisierung, der in den meisten Fällen viel Benefit für geringen Aufwand schafft. Da unsere „Digital Services“ aufeinander aufbauen und sich gegenseitig ergänzen, kann der Kunde selbst entscheiden, wann, in welcher Skalierung und zu welchen Kosten er den Schritt vollzieht, der optimal zur jeweiligen Firmenstruktur und –situation passt.

Frage: Welche Trends wird die digitale Transformation im Maschinen- und Anlagenbau demnächst prägen?

Marcel Pfeiffer: Für den Maschinen- und Anlagenbau ist das zentrale Stichwort Industrie 4.0, also die Verzahnung der industriellen Produktion mit intelligenten digitalen Systemen wie ERP, Auftrags- und Lagerverwaltung, aber auch die Vernetzung von Maschinen oder verschiedenen Standorten weltweit. Hardware und Software werden in naher Zukunft nicht mehr voneinander losgelöst zu betrachten sein. Die Komplexität von Prozessen und deren gegenseitige Anhängigkeit steigt in einem zunehmend dynamischen und immer volatileren Marktumfeld immer mehr an. Digitale Dienste und deren Vernetzung machen diese Herausforderungen beherrschbarer und planbarer. Die Indikatoren weisen in die Richtung, dass nach anfänglicher Zurückhaltung nun die Akzeptanz von Cloud-basierten-; KI- und Blockchain-Lösungen steigt. Kunden sehen die Vorteile der Vernetzung im täglichen Betrieb aber auch bei Themen wie OEE-Maximierung. Nach momentanem Erkenntnisstand ist davon auszugehen, dass bis zum Ende der Dekade kein größerer Produktionsbetrieb mehr weltweit ohne Cloud-gebundene Dienste und KI-Funktionalitäten in Organisation, Prozessmanagement und Produktion auskommen wird.

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